Biografie

Ausverkaufte Touren, Top-Ten-Alben, die Teilnahme beim Bundesvision Song Contest und kultgewordene Fußball-Raportagen in der ARD – von Erfolgen und Erfahrung könnte er ein Lied singen – oder ein Album schreiben. Wer aber bei Rogers “4S Punks” auf Play drückt, wird in eine andere Welt gezogen. Knarzende Samples hier, 4-Spur-Loops dort, zwischendurch ein E-Guitar-Beat oder die gesungene Hook – Beat gebaut, Mic in die Hand und Rec gedrückt. Als Aufnahmekabine diente der eigene Kleiderschrank. Und wenn es überhaupt ein Konzept gab, dann ohne Umwege ins Ziel zu kommen. Machen statt Vorspielen, oder auch “Malen Statt Radieren”, so der Titel des Introtracks, der die Arbeitsweise auf den Punkt bringt.

Wie schon beim Solodebüt “Alles Roger” (2008, Four Music) lag der gesamte Entstehungsprozess von “4S Punks” in Rogers Händen: Lyrics, Beats, Raps, Grafik – für alles zeichnet sich der Münchner selbst verantwortlich. “Malen Statt Radieren” ist das bejahende Stück Soulmusik, angereichert mit Sadat X Wordcuts und ein Leckerbissen für Freunde von Wortspielen, wenn man Roger, der “mehr Träume hat als ich schlafen kann” auf der Suche nach “Stradivaris unter Arschgeigen” folgt, um über “Fortschritt auf Standstreifen” die “Seele des Souls beim Pfandleiher” zu ergründen.

Deutlich härter geht es auf der grimy-düsteren und titelgebenden ersten Single “4S Punks” zu. Lässt der Track den Hörer zunächst über die “Peter Pan´s mit Rentenplan” schmunzeln, entpuppt er sich schnell als Abrechnung mit einer Lebenseinstellung, die an die Revolution per Online-Petition glaubt. Während die gescrewte Hook das Bild der “Punks mit iPhones” einbläut, konfrontiert er alle “Philosophen, die keine Fragen stellen” und “ahnungslosen Zeugen, die alle Fakten leugnen” ungeschönt mit ihrer eigenen Inkonsequenz, da sie die “Wahrheit nur vom Hörensagen” kennen.

Genau in diesem Mix aus stetiger Andersartigkeit und inhaltlicher Vielfalt liegt die Stärke des Albums. “Gehts Dir Gut” ist nach den ersten Bars der klassische Song an die verflossene Liebe, bis sich die Story immer weiter in einer nebulösen Abstraktion verliert und nur eine Stimmung bleibt. Oder auch das nerdige “Serienkiller”. Wie war das doch gleich, “als Nas noch King Of Queens war”? Nach 12 Tracks verteilt auf rund 40 Minuten wird einem klar, dass hier etwas Eigenständiges und Erwachsenes entstanden ist, eine zielstrebige, geschlossene Momentaufnahme, die zwar unabhängig von Zeitgeist und Trends funktioniert, aber komplett auf Höhe der Zeit ist. Roger ist genug Fan, als dass er weiß, wie Rap in 2012 zu klingen hat. “4S Punks” verbindet Gegensätze.

18.05.2012 WSP Records.

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